Herzlich Willkommen zu unserem ersten Blogbeitrag zur Schilddrüse. Wie schon im ersten Beitrag erklärt, ist es uns ein großes Anliegen Ihnen Teile unseres Wissens über die Schilddrüse verständlich näher zu bringen. Aus diesem Grund werden sich Fachbegriffe stark in Grenzen halten. Da die Medizin außerdem eine sehr verschachtelte Disziplin ist, in der viele Aspekte voneinander abhängig sind, wird einer unserer Blogposts allein nicht ausreichen, um Sie zu einem Schilddrüsenexperten zu machen. Das bedeutet, dass auch manche interessante Aspekte der Schilddrüse und ihrer Erkrankungen nur oberflächlich angeschnitten werden, bevor wir sie in einem separaten Post genau beleuchten. Wir bitten Sie also um Geduld, wenn Einzelheiten nicht in vollem Umfang erklärt werden können.
Warum also beginnen wir mit der Hashimoto Thyreoiditis (Schilddrüsenentzündung, zuerst beschrieben von Hakaru Hashimoto im Jahr 1912). Hier müssen wir leider gleich auf die erste Sache verweisen, die augenscheinlich nichts mit der Schilddrüse zu tun hat… ICD-10 Codes.
ICD-10 (International Classification of Diseases, Version 10) ist der Versuch der Weltgesundheitsorganisation (WHO) alle Krankheiten zu kategorisieren. Dies führt erwartungsgemäß hin und wieder zu Verwirrungen, weil Krankheiten, die im Volksmund bzw. in der breiten Bevölkerung anders benannt werden, in ein starres kodifiziertes Gerüst gezwängt werden. Da ICD-10 Codes jedoch mehr und mehr standardmäßig in Patientenbriefen zu führen sind, sehen wir die Möglichkeit ein Thema anzusprechen, das leicht zur Verwirrung führen kann, da der offizielle ICD-10 Code, in den die Hashimoto Thyreoiditis inkludiert ist, lediglich Autoimmunthyreoiditis heißt (E06.3).

Das Wort Autoimmunthyreoiditis bedeutet eigentlich nur, dass es sich um eine Entzündung der Schilddrüse aufgrund von Antikörpern handelt, die der eigene Körper gegen die Schilddrüse produziert. Warum genau dieses Phänomen auftritt ist bis heute nicht in allen Details bekannt. Die Schilddrüse wird daraufhin (mit unterschiedlicher Geschwindigkeit) von dem eigenen Immunsystem zerstört, bis keine Schilddrüsenhormone mehr gebildet werden können. Bei der Hashimoto Thyreoiditis, wie sie von Hakaru Hashimoto beschrieben wurde, kommt es im Rahmen der Entzündung zu einer Invasion durch weiße Blutkörperchen, weshalb es zu einer Vergrößerung der Schilddrüse kommt. In weiterer Folge kann die Schilddrüse wieder kleiner und sogar zu klein werden, wenn die Entzündung vollends ihren Lauf genommen hat. Es gibt allerdings eine zweite Variante der Autoimmunthyreoiditis, die Ord-Thyreoiditis, welche die gleichen Symptome aufweist, aber nie zu einer Vergrößerung der Schilddrüse führt, sondern zu einer Verkleinerung. Im Volksmund hat sich allerdings die Bezeichnung Hashimoto Thyreoiditis (oder nur Hashimoto) für beide Erkrankungen festgesetzt und wird für beides verwendet.
Es kommt somit immer wieder zur Verwirrung, wenn Patienten kommen, weil sie „Hashimoto“ haben und dann steht in ihrem Brief, dass es sich um eine Autoimmunthyreoiditis handelt, ein Wort, dass wahrscheinlich, um besser verständlich zu sein, von dem Arzt kein einziges Mal erwähnt worden ist. Mit diesem Beitrag wollten wir genau solchen Missverständnissen entgegenwirken.
Bei unserem nächsten Post werden wir genauer auf die Schilddrüsenunterfunktion eingehen, deren häufigster Verursacher die Hashimoto Thyreoiditis ist und wie der Schilddrüsenarzt helfen kann, diese richtig zu diagnostizieren und zu behandeln.
Herzliche Grüße.
Asha Leisser und Thomas Nakuz
