Herzlich Willkommen! Nachdem wir in unserem letzten Beitrag das zentrale regulierende Schilddrüsenhormon, das TSH erklärt haben, kommen wir nun zu den Hormonen, die tatsächlich die Funktion in der Schilddrüse ausüben.
Zuerst möchten wir darauf eingehen, was die Schilddrüse mit diesen Hormonen eigentlich bezweckt. Man kann die Funktion der Schilddrüse auf eine Kernfunktion herunterbrechen und diese wäre Energie freizusetzen. Auf zellulärer Ebene wird über die Einwirkung der Schilddrüsenhormone mehr Energie frei, um ihre Arbeit zu tun. In sehr jungem Alter ist das Schilddrüsenhormon essentiell für ein ordnungsgemäßes Wachstum und Entwicklung des Kindes. Eine schwere, dank Screeningverfahren, heute nur seltene Extremform dieses Mangels wird als Kretinismus bezeichnet und führt zu Wachstumsverzögerung und mentaler Retardierung. Im höheren Alter sind diese Erscheinungen bei einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) glücklicherweise nicht so dramatisch, aber sie beleuchten sehr eindrucksvoll den Stellenwert des Schilddrüsenhormons im Stoffwechsel eines Menschen.
Bei den Schilddrüsenhormonen sind zwei Hormone hervorzuheben und zwar das T4 (Tetrajodthyronin oder Thyroxin) und das T3 (Trijodthyronin). Beide Hormone werden in der Schilddrüse hergestellt und haben etwas unterschiedliche Funktionen. T4 ist das Hormon, welches weniger stark auf die Zellen wirkt, jedoch länger und stabiler zur Verfügung steht. Es untersteht nicht so starken tages- und belastungsabhängigen Schwankungen wie das T3. Aufgrund dessen, wird es von der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) herangezogen, um die Freisetzung von TSH zu steuern. Dadurch erklärt sich auch zum Teil, warum TSH nicht so stark schwankt und Änderungen in der Schilddrüsenfunktion (bzw. Schilddrüsentherapie) eine Zeit brauchen um sich dauerhaft im TSH widerzuspiegeln. T3 ist eine viel potentere Form des Schilddrüsenhormons und fördert direkt den Energieumsatz in den Zellen. Es hat allerdings nur eine kurze Verweildauer im Blut und wird binnen 24 Stunden inaktiviert. Es spiegelt somit eher den Tagesbedarf der Person wider. Neben der Freisetzung von T3 über die Schilddrüse spielt jedoch die Umwandlung von T4 in T3 durch spezielle Enzyme eine große Rolle und beleuchtet noch einmal die Depotfunktion von T4.
Warum steht nun immer öfter ein f vor den Bestimmungen von T3 und T4? Im Blut sind die Schilddrüsenhormone Großteils an bestimmte Eiweiße gebunden. Die Bestimmung der Hormone im Blut ist somit nicht nur von der Funktion der Schilddrüse sondern auch von dem Vorhandensein der Eiweiße im Blut sowie der Bindungsfähigkeit der Hormone an diese Eiweiße abhängig. Es hat sich immer wieder gezeigt, dass, mit wenigen Ausnahmen, die Bestimmung der „freien“ Schilddrüsenhormone besser die Produktionsleistung der Schilddrüse widerspiegelt und wie diese auf den Körper wirken.

Was sagen uns die Schilddrüsenhormone nun aus, wenn TSH doch das wichtigste Steuerungshormon im Bezug auf die Schilddrüse ist? Die Schilddrüsenhormone sind wichtige Indizien für das Ausmaß der Funktionsstörung der Schilddrüse. Sind die Schilddrüsenhormone im Normalbereich so ist primär von einer Therapie abzusehen. Sind sie jedoch unter oder über den Normwerten, so ist in den allermeisten Fällen eine Therapie der Schilddrüsenunter- oder -überfunktion notwendig. Der Schilddrüsenarzt benötigt diese Information um Sie richtig für Ihre Funktionsstörung behandeln zu können.
Als letzten Punkt wollen wir noch eine Sache anmerken. Während die oberen und unteren Normwerte für die Schilddrüsenhormone relativ gut abgesichert sind, unterliegen sie jedoch labortechnisch und zum Teil interpretatorisch gewissen Schwankungen. Ein kleines Beispiel: Noch vor wenigen Jahren war der untere „normale“ Schilddrüsenwert für fT4 oftmals um die 0,44 ng/dl. Neue Erkenntnisse führten jedoch zu einer Herabsetzung der unteren Grenze auf heute etwa 0,27 ng/dl. Ein eindeutiger Konsensus herrscht jedoch nicht. So kommt es aufgrund von unterschiedlichen Untersuchungsmethoden (Geräte verschiedener Firmen) und eben diesen interpretativen Unterschieden zu einer Unklarheit, wo jetzt die Grenzen für eine normale Schilddrüsenfunktion liegen. Genau bei solchen Themen können wir als Ihre Schilddrüsenexperten Ihnen zur Seite stehen, da wir nicht nur Laborwerte behandeln, sondern den Patienten in seiner Gesamtheit. Allein in Wien werden Sie auf einige unterschiedliche Grenzwerte stoßen. Und das alles noch ohne die Labors, die vollkommen andere Einheiten (meist pmol/l) verwenden, wie es in anderen Ländern manchmal übrig ist.
Wir hoffen, dass wir Ihnen wieder ein kleines Stück mehr Klarheit bringen konnten, auch wenn gerade der letzte Absatz wahrscheinlich für etwas Verwirrung sorgt, aber genau dafür sind wir als Ihre Schilddrüsenexperten hier.
Herzliche Grüße
Asha Leisser und Thomas Nakuz
