Herzlich Willkommen! Wie schon im vorigen Blogpost erwähnt versuchen wir Schritt für Schritt bestimmte Aspekte der Schilddrüsendiagnostik zu erläutern, um so die brennenden Fragen, die sich Patienten mit Schilddrüsenerkrankungen stellen, langsam aber sicher verständlich zu beantworten.
Kurz gefasst ist das TSH das wichtigste Hormon für einen Schilddrüsenexperten, um die Funktion der Schilddrüse einzuschätzen. Deswegen wird von allen Schilddrüsenhormonen bei einer allgemeinen Untersuchung (sei es eine Gesundenuntersuchung oder ein Spitalsaufenthalt, der mit der Schilddrüse nichts zu tun hat) oftmals nur TSH als Laborparameter bestimmt.
Eine kurze Erklärung zu TSH und seiner Bedeutung in der Schilddrüse. Das TSH ist eine Hormon, das aus der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) ins Blut ausgeschüttet wird und bestimmen soll, wie aktiv die Schilddrüse arbeitet. In einer normal funktionierenden Schilddrüse, führt ein höherer TSH-Wert zu einer vermehrten Freisetzung von Schilddrüsenhormonen sowie zu einem Wachstumsreiz. Bestimmte Erkrankungen, wie zum Beispiel der heiße Knoten (autonome Adenome) oder der Morbus Basedow (eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse), aber auch die Hashimoto Thyreoiditis, führen dazu, dass die Schilddrüse nicht mehr entsprechend des TSH-Wertes arbeiten kann.
Die häufigste Frage, die ein Schilddrüsenarzt von Patienten gefragt wird, ist: „Habe ich eine Über- oder Unterfunktion?“ Der TSH-Wert ist genau der Grund, warum diese Frage immer wieder vorkommt. TSH verhält sich nämlich, da es ein Hormon ist, das nicht in der Schilddrüse produziert wird, genau gegensätzlich zum Aktivitätsstand der Schilddrüse. Es ist ein kontrollierendes Hormon, das aus dem Gehirn kommt und reagiert daher auf Signale aus dem Blut bezüglich des Vorhandenseins von Schilddrüsenhormonen. Sind viele Schilddrüsenhormone vorhanden, wird nur wenig TSH benötigt. Im Gegensatz dazu steigt die TSH-Ausschüttung, wenn sich zu wenig Schilddrüsenhormone im Blut befinden.

Um alles auf einen Punkt zu bringen:
- Ist TSH vermindert, dann besteht eine SchilddrüsenÜBERfunktion
- Ist TSH erhöht, dann besteht eine SchulddrüsenUNTERfunktion
Das Ausmaß der Über- bzw. Unterfunktion wird in weiterer Folge durch die Schilddrüsenhormone (siehe nächster Blogeintrag) im Blut bestimmt, denn es ist nicht immer eine Behandlung der Schilddrüse notwendig, wenn allein das TSH außerhalb des Normbereichs ist.
Zum Abschluss will ich auf zwei Szenarien hinweisen, in denen die üblichen TSH-Laborwerte (normalerweise etwa 0,27 mU/l bis etwa 4,2 mU/l je nach untersuchendem Labor) nicht den tatsächlichen Bedarf der Personengruppe widerspiegelt.
Bei der ersten Gruppe handelt es sich um ältere Menschen. Je älter man wird, desto höher ist die obere TSH-Grenze anzusetzen. Es hat sich in Studien gezeigt, dass ältere Patienten, die ein höheres TSH hatten (bis etwa 10 mU/l) und keine Symptome einer Unterfunktion aufwiesen, länger leben. Eine medikamentöse Therapie um symptomlose Patienten auf in einem TSH-Zielbereich zu halten, der für ihr Alter einfach nicht mehr angemessen ist, ist somit kontraproduktiv. Sobald Symptome einer Unterfunktion auftauchen, ist natürlich eine Therapie notwendig.
Bei der zweiten Gruppe handelt es sich um Schwangere und Frauen, die einen aktiven Kinderwunsch haben. Hier sind engere Grenzen für den TSH-Wert zu setzen, da eine Schwangerschaft höhere (jedoch weiterhin normale) Schilddrüsenhormonwerte erfordert. Die akzeptierten Grenzen sind für Frauen im Kinderwunsch sowie Schwangere im 1. Trimester bis 2,5 mU/l, im 2. Trimester 3,0 mU/l und im 3. Trimester 3,5 mU/l.
Wir hoffen, dass dieser Beitrag hilft, die Mechanismen hinter dem TSH zu verstehen.
Herzliche Grüße
Asha Leisser und Thomas Nakuz
