Herzlich Willkommen!
Nachdem wir in vorigen Blogpost schon über die Ursachen für eine Unterfunktion (Hypothyreose), wie zum Beispiel die Hashimoto Thyreoiditis, geschrieben haben und wie Schilddrüsenexperten Laborwerte verwenden, um sie einzuschätzen, geht es in dem heutigen Eintrag nur um Sie und wie Sie sich wahrscheinlich fühlen, wenn Sie an einer schlecht eingestellten Unterfunktion leiden. Es ist allerdings zu bedenken, dass die Beschwerden von Patient zu Patient sehr unterschiedlich sein können. Häufige Beschwerden sind häufig, aber die Kombination an Beschwerden kann sehr individuell sein.
Viele wissen, dass Personen, die an einer Unterfunktion leiden, oftmals Müdigkeit beklagen. Man kann
gar nicht mehr genug schlafen und fühlt sich dennoch vollkommen zerschlagen in der Früh. Diese Müdigkeit entsteht durch eine verminderte Energiemobilisierung durch den Mangel an Schilddrüsenhormonen. Müdigkeit ist aber nicht das Einzige, was in diese Kategorie passt. Ein häufiges Symptom ist auch das Gefühl einer Antriebslosigkeit. Dinge, die früher leicht gefallen sind, kosten mehr Überwindung. Auch Konzentrationsprobleme treten häufig auf. Es fällt schwer, sich länger auf eine Aufgabe zu fokussieren, und das Gedächtnis wirkt manchmal wie verlangsamt.
Unerklärliche Gewichtszunahme ist eine weitere sehr bekannte Beschwerde bei Hypothyreose, die zu einem hohen Leidensdruck führt. Patienten geben an eine strikte Diät zu führen und dennoch nicht abnehmen zu können. Dies kann im Extremfall zu weiteren Problemen führen, da wir nicht nur Nahrung aufnehmen um unseren Kalorienbedarf zu decken, sondern auch Vitamine und andere Nährstoffe zuzuführen, die durch die Hypothyreose zum Teil schlechter bzw. langsamer aufgenommen werden. Eine Normalisierung der Schilddrüsenhormonwerte führt nicht automatisch zur Rückkehr zum Normalgewicht sondern kann einige Zeit dauern und zusätzlicher Anstrengungen (sei es im Bereich der Ernährung oder des Sports) bedürfen, was natürlich viel Frust auslösen kann.
Es gibt weitere körperliche Symptome, die auf eine Unterfunktion hinweisen können. Die Haut kann Hinweise liefern. Sie wird oft trocken, kühl und blass. Manche Betroffene bemerken zudem brüchige Nägel oder vermehrten Haarausfall. Das Haar wirkt dünner und verliert an Glanz. Diese Veränderungen entstehen, weil die Haut und ihre Anhangsgebilde weniger gut durchblutet und versorgt werden. Ein besonders auffälliges Symptom ist die gesteigerte Kälteempfindlichkeit. Patienten mit Hypothyreose frieren schneller und stärker als andere, selbst bei milden Temperaturen. Das liegt daran, dass der Körper weniger Wärme produziert, wenn der Stoffwechsel verlangsamt ist. Ein weiteres körperliches Symptom kann Verstopfung sein. Der Durchgang durch den Darm erfolgt aufgrund von Energiemangel langsamer und dem Kot wird mehr Wasser entzogen, was zu deutlichen Beschwerden im Stuhlgang führen kann. Der Herzschlag ist zum Teil durch das Schilddrüsenhormon gesteuert und eine Unterfunktion kann zu einem verlangsamten Herzschlag führen.
Ein klassisches, heute zum Glück eher wenig gesehenes Zeichen der Unterfunktion ist eine Einlagerung von Zuckereiweißen (Glykosaminoglykanen), welche zu teigige Schwellungen im Gesicht (insbesondere um die Augen) und im Bereich der Hände und Füße führen kann. Diese Schwellungen gehen nach richtiger Einstellung der Unterfunktion vollständig zurück.
Bei weiblichen Patientinnen kann eine Unterfunktion sich in unregelmäßigen Zyklen widerspiegeln. Dabei gibt es ein weites Spektrum: Es kann zu verstärken Perioden, Unregelmäßigkeiten, selteneren Zyklen bis zu vollkommenen Ausbleiben der Menstruation kommen. Auch Patientinnen mit einem unerfüllten Kinderwunsch sollten immer auch die Schilddrüse abklären lassen, da es hier strengere Richtlinien gibt. Eine unbehandelte oder unzureichend behandelte Schilddrüsenunterfunktion kann in der Schwangerschaft ebenso Komplikationen verursachen.
Nicht zu unterschätzen sind die psychischen Auswirkungen einer Unterfunktion. Stimmungsschwankungen, depressive Verstimmungen oder ein allgemeines Gefühl der Niedergeschlagenheit treten häufig auf. Betroffene fühlen sich oft innerlich „gedämpft“ oder weniger belastbar. Diese Symptome werden nicht immer sofort mit der Schilddrüse in Verbindung gebracht, was zu einer verspäteten Vorstellung beim Schilddrüsenexperten führen kann.
Wird eine Hypothyreose über längere Zeit nicht oder nur unzureichend behandelt, kann das ernsthafte Langzeitfolgen haben. Der dauerhaft verlangsamte Stoffwechsel belastet insbesondere das Herz-Kreislauf-System. Es kann zu erhöhten Cholesterinwerten kommen, was das Risiko für Gefäßverkalkungen und Herzkrankheiten steigert. Auch die geistige Leistungsfähigkeit kann weiter abnehmen, und depressive Verstimmungen können sich verstärken oder chronisch werden.
Ein weiteres Problem bei Diagnose der Hypothyreose ist, dass viele dieser Beschwerden nur schleichend auftreten können. Viele Patienten zeigen nicht eine fulminante Hashimoto Thyreoiditis mit kurzzeitiger Überfunktion und Unterfunktion im Anschluss nach wenigen Monaten. Bei vielen Patienten entsteht die Unterfunktion langsam und schleichend. Die Beschwerden treten in der gleichen Art langsam und schleichend auf. Wichtig ist es, sensibilisiert zu sein, dass eine Schilddrüsenunterfunktion ein sehr breites Feld an Symptomen abdecken kann.
Wenn Sie also an diese Symptomen leiden (wie gesagt, nicht jeder Patient wird das Gleiche, in der gleichen Stärke aufweisen), dann ist eine Vorstellung bei einem Schilddrüsenarzt notwendig. Als Ihre Experten für die Schilddrüse sind wir natürlich immer bereit Ihnen zur Seite zu stehen.
Herzliche Grüße
Asha Leisser und Thomas Nakuz
