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Im Rahmen des letzten Blogposts wurde die Schilddrüsenszintigraphie sehr kurz genannt als beste Untersuchungsmethode um Arten der Schilddrüsenüberfunktion zu differenzieren. In diesem Beitrag wollen wir nun genauer auf die Schilddrüsenszintigraphie eingehend und Ihnen einen Einblick verschaffen, was bei dieser sehr wichtigen Untersuchung gemacht wird.
Zuallererst wollen wir sehr kurz auf die technischen Details eingehen. Das Wort Szintigraphie geht auf das lateinische Wort scintillare (funkeln) und das altgriechische Wort graphe (aufzeichnen) zurück. Es handelt sich somit um ein „Funkenbild“. Bei der Szintigraphie werden kleine Menge radioaktiven Stoff (sogenannte Tracer) verwendet, welche elektromagnetische Strahlen aussenden, deren Energie über denen von Röntgenstrahlen liegt (Gammastrahlung). Diese Gammastrahlung trifft in
der sogenannten Gammakamera auf einen Kristall der diese in einen Lichtblitz, also sozusagen einen Funken, umwandelt. In der Auswertung dieser Funken entsteht das sogenannte Szintigramm.
Bei der Schilddrüsenszintigraphie wird sehr selten radioaktives Jod selbst verwendet. Am häufigsten wird ein radioaktiver Tracer namens [99mTc]Pertechnetat verwendet. Die seltsame Bezeichnung [99mTc] bezieht sich auf das chemische Element Technetium in metastabil Konfiguration mit insgesamt 99 Neutronen und Protonen. Metastabil in diesem Kontext bedeutet, dass das Atom zu viel Energie besitzt, diese wird in Form von der oben genannten Gammastrahlung freigegeben und stellt die Strahlenquelle unseres hier verwendeten Tracers dar. Der andere Teil der Bezeichnung bezieht sich auf die Verbindung von Technetium mit Sauerstoff in einer gewissen Konfiguration (TcO4–).
Wir gelangt nun der Tracer in die Schilddrüse? Hier nutzen wir aus, dass der Transporter, der Jod in die Schilddrüsenzelle aus dem Blut einschleust (der sogenannte Natriumiodid-Symporter), unseren radioaktiven Tracer [99mTc]Pertechnetat als Jod erkennt und in die Schilddrüse transportiert. Natürlich funktioniert das nicht ganz so effizient wie mit Jod selbst. Dadurch dass es sich bei[99mTc]Pertechnetat jedoch nicht um Jod handelt, wird der Tracer von der Schilddrüse nicht weiter für Stoffwechsels und nach relativ kurzer Zeit auch wieder aus der Schilddrüse heraus transportiert. Der Tracer wird in weiterer Folge großteils über die Nieren herausgefiltert und über den Harn ausgeschieden, was zu einer niedrigeren Strahlenbelastung für die Patienten führt.

Eine typische Schilddrüsenszintigraphie dauert in etwa 30 Minuten von der intravenösen Tracergabe, über die etwa 20-minütigen Wartezeit bis zu der etwa 5-minütigen Bildaufnahmezeit. Da [99mTc]Pertechnetat eine Halbwertszeit (die Zeit nach der nur noch die Hälfte der ursprünglichen Aktivität vorhanden ist) von 6 Stunden hat, wird oft angeraten sich für ungefähr 24 Stunden von Schwangeren und kleinen Kindern auf einen Abstand von ungefähr 1½-2 m fernzuhalten, da diese beiden Personengruppen besonders anfällig Strahlenschäden sind. Bei einer typischen Schilddrüsenszintigraphie erhält der Körper eine Strahlendosis von etwa 1 mSv, was in etwa 1/4 der jährlichen Hintergrundstrahlung in Österreich entsprechend (4,3-4,5 mSv/Jahr) und gehört somit zu den Untersuchungen, welche eine eher niedrige Strahlendosis haben.
Auf was wird nun bei einer typischen Schilddrüsenszintigraphie geschaut? Das hängt oftmals von der Fragestellung ab. Wie im vorigen Beitrag erwähnt, kann eine insgesamt vermehrte Traceranreicherung hinweisend sein auf einen Morbus Basedow. Eine fokal erhöhte Traceranreicherung in einem oder mehreren Arealen der Schilddrüse kann Hinweis sein auf (ein) autonome(s) Adenom(e), während eine fehlende Traceranreicherung in der Schilddrüse hinweisend sein kann auf eine Zerfallsthyreoiditis, z.B. im Rahmen einer Hashimoto-Thyreoiditis.
Ein weiterer wichtiger Aspekt der Schilddrüsenszintigraphie ist die Beurteilung des Funktionsstatus eines Knotens in der Schilddrüse im Bezug auf die restliche Schilddrüse. Hier wird die Traceranreicherung oftmals mithilfe von Temperaturen bildlich dargestellt. Ein warmer Knoten nimmt in gleicher Art und Weise, wie das restliche Schilddrüsengewebe Tracer auf und ist somit meistens ein gutartiger unbedenklichen Knoten. Ein sogenannter heißer Knoten ist eine andere Bezeichnung für ein autonomes Adenom, welches viel Jod für Stoffwechsel und somit sehr viel von dem radioaktiven Tracer aufnimmt. In Sprachgebrauch weit verbreitert und viel gefürchtet ist der sogenannte kalte Knoten. Hier handelt es sich um Knoten, die die regelrechte Funktion der Schilddrüse hinter sich gelassen haben und somit wenige Jod verstoffwechseln, als normales Schilddrüsengewebe tun würde. Im Gegensatz zu den anderen beiden Knotenformen besteht eine realistische Chance, dass ein kalter Knoten ein Schilddrüsenkarzinom sein könnte. Es ist jedoch zu bedenken, dass es gerade in Europa bzw. in Österreich sehr viele Knoten gibt und dadurch auch sehr viele kalte Knoten gutartig sind. Im Schnitt ist ein kalter Knoten nämlich nur in 4-5 % der Fälle bösartig. Zur Sicherheit ist eine weiterführende Abklärung eines kalten Knotens mittels Feinnadelpunktion jedoch empfehlenswert.
Wir hoffen dass wir Ihnen die Schilddrüsenszintigraphie und ihre Nutzen etwas näher bringen konnten. Als Ihre Schilddrüsenexperten unterstützendes sind natürlich immer gerne in der Interpretation vom Szintigraphiebefunden, wenn Sie diese zu einem Termin bei uns mitnehmen.
Herzliche Grüße
Asha Leisser und Thomas Nakuz
