Wenn die Schilddrüse nicht mehr auf den Körper hört – Schilddrüsenüberfunktion und ihre Ursachen

Herzlich Willkommen!

 

Wir haben uns bisher in unseren Posts viel um die Unterfunktion d er Schilddrüse gekümmert, woher sie kommt und wie sie sich anfühlt. Wir widmen uns nun der Überfunktion. Eine Schilddrüsenüberfunktion stellt im Allgemeinen eine dringlichere Situation dar, als die Unterfunktion, da die schlimmsten Effekte der Unterfunktion meist nur in sehr schweren Fällen vorkommen. Bei der Schilddrüsenüberfunktion kann es jedoch relativ schnell zu Störungen des Herz-Kreislauf-Systems kommen, welche zu Herzrhythmusstörungen führen können und somit eine ernste gesundheitliche Gefahr darstellt.

Befund wir zu den Ursachen der Überfunktion kommen, wollen wir kurz wiederholen, welche Schilddrüsenhormone in Zusammenhang mit der Funktion der Schilddrüse wichtig sind. Während das zentrale regulierende Hormon der Schilddrüse das TSH darstellt, ist gerade für die Beurteilung der Überfunktion das tatsächliche Schilddrüsenhormon in seiner aktiven Form entscheidend (fT3 und fT4). Bei der Überfunktion ist der TSH-Wert sehr niedrig bzw. nicht mehr nachweisbar. Die Bestimmung der aktiven Schilddrüsenhormone zeigt uns allerdings, ob die Schilddrüsenüberfunktion so weit fortgeschritten ist, dass wir tatsächlich Symptome entwickeln werden. Sind bei einem niedrigen TSH die Schilddrüsenhormone nämlich im normalen Bereich so spricht man von einer sogenannten latenten Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion). Diese ist oftmals symptomfrei, hat jedoch eine höhere Chance in eine sogenannte manifeste Hyperthyreose überzugehen, vor allem wenn in kurzer Zeit viel Jod eingenommen wird (z.B. im Rahmen von Kontrastmittelgaben bei der Computertomographie).

Welche Erkrankungen führen nun zu einer Schilddrüsenüberfunktion? Grob lassen sich zwei große Gruppen hier voneinander trennen. Zum einen gibt es Erkrankungen, welche zu einer erhöhten Produktion von Schilddrüsenhormonen führt (wie z.B. der Morbus Basedow). Zum anderen gibt es Erkrankungen, welche die Schilddrüse zerstören und somit den Speicher an Schilddrüsenhormonen leeren und somit zu einer vorübergehenden Überfunktion führen (wie z.B. eine fulminante Hashimoto Thyreoiditis). Es ist wichtig herauszufinden, welche Erkrankung hinter der Schilddrüsenüberfunktion

steht, da sich die Therapie bei beiden Gruppen vollkommen unterscheidet. Die beste Art und Weise dies zu bestimmen ist die Schilddrüsenszintigraphie, welche eine vermehrte Jodaufnahme in der ersten Gruppe und eine verminderte bzw. fehlende Jodaufnahme in der zweiten Gruppe zeigt. Da die Schilddrüsenszintigraphie ein eigenes sehr interessantes Thema ist, wird sie in genauerem Detail in einem zukünftigen Blogpost genau beleuchtet.

Simulation eines typischen Bildes für einen Morbus Basedow in der Schilddrüsenszintigraphie

Die erste Erkrankung die wir im Detail besprechen ist der sogenannte Morbus Basedow. Als Autoimmunerkrankung der Schilddrüse ist die genaue Ursache nicht vollständig geklärt. Wichtige Risikofaktoren für das Entstehen des Morbus Basedow sind Stress, hohe Jodzufuhr, bestimmte Medikamente, außerdem ist die Krankheit mit anderen Autoimmunerkrankungen assoziiert und es zeigt sich eine gewisse familiäre Häufung. Während bei den wenigsten Patienten eine klar definierbare Ursache identifiziert werden kann, ist gerade der Stress ein häufiger Auslöser der Erkrankung. Im Gegensatz zur Hashimoto Thyreoiditis, wo Antikörper mithilfe des Immunsystems die Schilddrüse aktiv zerstören, entstehen bei Morbus Basedow Antikörper, welche sich auf den Rezeptor für das Hormon TSH setzen und diesen aktivieren. So wird der Schilddrüse vorgegaukelt, dass mehr TSH vorhanden ist, als tatsächlich produziert wird. Dies führt zu einem Wachstumsreiz und zu einer übertriebenen Produktion von Schilddrüsenhormonen, weshalb die Schilddrüse nicht meist nur größer wird, es steigerte auch die ohnehin schon sehr gute Durchblutung der Schilddrüse um die Hormone noch besser freisetzen können. Eine wichtige häufige Folge des Morbus Basedow, welche mit der Schilddrüsenfunktion nichts zu tun hat, ist eine Vermehrung des Gewebes hinter dem Augapfel, welcher dadurch nach vorne gedrückt wird. Dies nennt man in der Fachsprache eine endokrine Orbitopathie und muss dringend vom Augenarzt untersucht und behandelt werden.

Es muss jedoch nicht immer die ganze Schilddrüse betroffen sein, um eine Überfunktion auszulösen. Schilddrüsenknoten sind gerade in Europa sehr häufig benötigen eine regelmäßige Kontrolle durch den Schilddrüsenarzt. Sie entstehen aus normalen Schilddrüsenzellen, welche sich genetisch verändert haben und nicht mehr ein normales Wachstum oder Funktion zeigen. Während die meisten dieser Knoten gutartig, langsam wachsend und normal bis vermindert Schilddrüsenhormon produzieren, können einige dieser Knoten zu einer höheren Schilddrüsenhormonproduktion führen, welche unabhängig von dem TSH-Wert im Blut ist. Diese Knoten, auch autonome Adenome genannt, entstehen wie alle Knoten vermehrt in Regionen wo ein Jodmangel herrscht, wie z.B. Europa. Nicht alle Patienten mit einem autonomen Adenom zeigen eine manifeste Hyperthyreose (Überfunktion), bei vielen kommt es durch eine verminderte Produktion von Schilddrüsenhormonen durch die restliche Schilddrüse (aufgrund des niedrigen TSH-Wertes) zu einer relativ normalen Schilddrüsenfunktion. Diese Situation wird als kompensierte Autonomie bezeichnet und kann über Jahre im Gleichgewicht bleiben. Besonders muss in dieser Situation jedoch Acht gegeben werden, dass es zu keiner vermehrten Jodzufuhr kommt, da diese die Schilddrüsenhormonproduktion des autonomen Knotens noch weiter antreiben kann.

Wie bereits beschrieben, kann es bei einer fulminanten Hashimoto Thyreoiditis dazukommen, das so viel von der Schilddrüse in kürzester Zeit vom Immunsystem zerstört wird, dass es zu einer kurzfristigen Überfunktion kommt. Dieses Phänomen bezeichneten man auch in der Fachsprache als Hashitoxikose und sollte symptomatisch therapiert werden.

Um den Rahmen dieses Blogposts nicht vollends zu sprengen, wird auf Überfunktionen, welche aufgrund von zu hoher Jodzufuhr basieren, in einem eigenen Blogpost eingegangen. Hier geht es vor allem um die Gabe von jodhaltigem Kontrastmittel in der Computertomographie sowie um die Einnahme des Herzmedikaments Amiodaron (Sedacoron).

Als letzten Punkt wollten wir auf eine besondere Form der Schilddrüsenüberfunktion hinweisen, welche im ersten Trimenon einer Schwangerschaft auftreten kann. Das klassische Schwangerschaftshormon Beta-hCG, welches auch das Hormon ist, dass bei Schwangerschaftstests untersucht wird, ähnelt chemisch sehr stark dem TSH und kann zu einer leichten Aktivierung des TSH-Rezeptors an der Schilddrüse führen. Da es gerade im ersten Trimenon zu sehr hohen Werten von Beta-hCG kommen kann, kommt es auch vor das diese leichte Aktivierung zu einer tatsächlichen Überfunktion führt. Dies kann neben den häufigen Symptomen einer Überfunktion auch zu einem noch häufigeren Erbrechen in dieser ersten Schwangerschaftsphase führen. Diese Form der Schilddrüsenüberfunktion ist jedoch meist symptomatisch gut behandelbar und geht im zweiten Trimenon, wenn Beta-hCG Werte rückläufig sind, vollends zurück.

Wir hoffen, dass wir Ihnen einen Einblick in die Entstehung und die Ursachen der Schilddrüsenüberfunktion geben konnten. Die beschriebenen Erkrankungen stellen die im Alltag häufigsten, jedoch nicht alle Gründe für die Schilddrüsenüberfunktion dar. Wenn Sie an einer Schilddrüsenüberfunktion leiden, stehen wir Ihnen als ihr Experten für die Schilddrüse immer gerne zu Seite.

Herzliche Grüße

Asha Leisser und Thomas Nakuz